Tod – Episode 2 – Dolchstoß

//Aufzeichnung: Beginn.

//Versorgungsflug X-38. Zeitzeugen-Interview #10. Interviewer: Cecile Miller.

//Historiker und Militärpsychologe Dr. Amadeus Scarvo, Alter 45.

Cecile Miller: “Die Proinos als eines der Versorgungsschiffe im Kampfverband der Archeron musste also diese Art Missionen sehr häufig durchführen?”

Dr. Scarvo: “Ja. Sehen sie, eigentlich ist es neben der Lagerhaltung die Hauptaufgabe von Versorgungsschiffen dieser Art. In Einzelflügen werden Versorgungsgüter zu den Kampfverbänden, die an der Frontline patrouillieren, gebracht. Diese Flüge sind zwar immer im eigenen Territorium aber natürlich auch ein gern gesehenes Ziel für den Feind. Ein Kampfverband ohne Munition und Nahrung ist genauso wenig eine Gefahr wie ein ungeladene Pistole oder ein Politiker mit Moralvorstellungen.”

Cecile Miller: “Bei diesen Einsätzen waren also die Schiffe unbewaffnet und allein unterwegs?”

Dr. Scarvo: “Nach Vorschrift müssen diese Flüge von mindestens einem Zug Jäger begleitet werden. Idealerweise folgt auch eine kleine Fregatte. Aber wie viele Vorschriften und Regeln im Krieg erzwingen die Umstände manchmal Abweichungen von diesem Plan. Hin und wieder kann ein Flottenadmiral keine Fregatten abstellen und braucht jede Viper in den Startröhren falls eine drohende Schlacht zu erwarten ist.”

Cecile Miller: “Bei Flug X-38 war die Crew der Proinos aber komplett auf sich gestellt?”

Dr. Scarvo: “Nicht ganz. Die Mindestsicherheit waren immer zwei Viper, die für die Dauer des Fluges im All blieben und für FTL-Sprünge an der Außenhülle des Frachtschiffs verankert wurden. Diese Begleitung reicht natürlich nicht aus, um einen gezielten Angriff des Feindes abzuwehren. Aber primär sollten zufällige Kontakte zurückgedrängt werden und im Worst Case konnten die beiden Viper dem Versorgungsschiff genug Zeit verschaffen, um mit der wertvollen Ladung zu entkommen.”

Cecile Miller: “Klingt nach Selbstmordmission.”

Dr. Scarvo: “Kampfpiloten leben immer gefährlich, Mrs. Miller. Aber ja. Diese Babysitting-Flüge waren nie sehr beliebt. Nicht nur weil die Chancen für einen heroischen Tod recht hoch waren. Auch weil man die komplette Dauer des Einsatzes in seinem kleinen Cockpit verbringen musste. Daher wurden auch meist Piloten abgestellt die nicht unbedingt zu den Lieblingen des CAG gehörten.”

Cecile Miller: “Aber der psychologische Druck auf die Crew des Versorgungsschiffes war auch enorm groß, oder?”

Dr. Scarvo: “Ja. Die Viperpiloten hatten den Nachteil abgeschnitten in ihren Cockpits zu sein. Aber manchmal ist es nicht unbedingt von Vorteil, umgeben von 23 anderen Menschen zu sein, die physisch und psychisch am Ende sind.”

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Die kleinen Buchstaben auf dem Lagercomputer begannen fröhlich auf und ab zu schaukeln und sich zu einem unleserlichen Kauderwelsch zu vereinen. Brandon Frask strich sich mit der linken Hand über die Augen und versuchte es noch einmal. “34…. Nein. 44. Nein… Da. Einheit 45: Decken und Kissen. Also stimmt doch alles mit dem Frachtpapieren”.

Vor einer Viertelstunde hatte ihn Lieutenant Peter Stykes in den unteren Frachtraum geschickt um eine Abweichung zwischen dem Lagercomputer und den Frachtpapieren zu überprüfen. Mehrfache Beschwerden hatte der drahtige erste Offizier mit einem sehr unnötig zornigen Blick zurückgewiesen. Als zweiter Steuermann war er zwar nicht immer auf der Brücke anwesend und wechselte sich mit seinem Kollegen Simmons ab. Aber dennoch gehörte es ausdrücklich nicht zu den Aufgaben eines Steuermannes, sich mit den Lagercomputer auseinanderzusetzen.

Aber Stykes hatte seinen Rang ausgespielt und ihn weggeschickt. Kapitän Comstock war derzeit in seiner Kabine und schlief. So blieb Frask nichts anderes übrig als sich einmal durch die ganze Proinos zu schleichen und sich die Frachtsysteme im unteren Deck vorzunehmen. Aber trotz der großen Wahrscheinlichkeit, dass ein überarbeiteter Frachtschubser auf einer Versorgungstation statt Decken und Kissen eine Wagenladung Hundefutter in den Bauch der Proinos schob, war alles in Ordnung.

Bevor sich Frask wieder an den beschwerlichen und nicht gerade komfortablen Aufstieg zur Brücke machte, setzte er sich einen Moment in den kleinen Aufenthaltsbereich des Frachtraums und atmete durch. Dieser Versorgungsflug war der vierte in einem Monat und zerrte an den Nerven der gesamten Crew. Schlaf war im Krieg schon eine Seltenheit, aber wenn man allein ohne Kampfverband durchs  All schoss musste man schon sehr abgebrüht oder diszipliniert sein um Ruhe zu finden. Neben dem monotonen Brummen der Schiffsantriebe verschwammen Tage und Nächte im Einsatz zu einem immer gleichen grauen und surrenden Dämmerzustand.

“Und Stykes dieser Idiot hetzt mich jetzt noch hier runter um Aufgaben der Lagerarbeiter zu übernehmen” grummelte Frask vor sich hin als er seinen fülligen Körper von der Sitzbank hob. Aber irgendwie war es auch ein wenig spannend nach so vielen Wochen mal in einen Teil des Schiffes zu kommen, den er sonst nie betrat. Vielleicht sollte er sich noch die Zeit für einen kleinen Spaziergang durch die Reihen der kleinen Frachteinheiten nehmen? Frask quetschte sich vorbei an den Metallschränken und in das Labyrinth des Lagerraums.

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Die kalte klare Luft im Lagerraum bildete kleine Wölkchen beim Ausatmen. Ein wenig befreiter im Kopf stapfte Brandon Frask zurück zum Aufgang zum Hauptdeck der Proinos. Doch seit ein paar Minuten nagte etwas an ihm. Ein ungutes Gefühl. Eine Ansammlung von kleinen unbedeutenden Gesten, Blicken und Dialogen der letzten fünf Tage. Etwas das ihm im Trott des Dienstes nicht weiter aufgefallen war. Aber jetzt nach einigen Minuten in der einsamen Dunkelheit kratzte eine Vorahnung an seinem Hinterkopf.

Frask stieg die Leiter zum Hauptdeck hoch und lief am Reaktorkontrollraum vorbei. Er grüßte die beiden Mechaniker in der Kabine erneut. Auch wenn er sich weiterhin nicht an ihre Namen erinnern konnte. Hier vorne war die Techniker-Crew relativ abgeschnitten von der Brückenmannschaft. Als er nach wenigen Schritten den Gemeinschaftsraum mit der langen chromglänzenden Essensausgabe betrat war dieses komische Gefühl wieder da.

Es war die Stimmung. Ja. Die Stimmung war in den letzten zwei Tagen massiv gekippt. Seit sie in den Nachrichten von dem Massaker auf der Forrester-Station gehört hatten. Im Anschluss machten Gerüchte die Runde, dass die Zylonen verstärkt Angriffe auf Versorgungslinien der Kolonien durchführen würden. Normalerweise legte sich diese Panik wieder. Aber die häufigen Einsätze zerrten schon an den Nerven. Es war hier in der Messe ungewöhnlich still. Keine Kartenspiele. Keine Gespräche. Kein Lästern hinter seinem Rücken über die Größe seines Hinterns. Er hatte des Gefühl, die Einsamkeit des Frachtraums in dieses Deck getragen zu haben.

Die Leute blieben seit Tagen in ihren Kojen, wenn sie keinen Dienst hatten. Nur wenige waren noch zu den gemeinsamen Essen gekommen. Eigentlich nur Comstock, ein paar Techniker, der Navigator und er. Comstock war jetzt in seiner Kabine. Die Techniker waren im vorderen Teil des Schiffes und der Navigator hatte sich wohl angeblich gestern betrunken den Kopf gestoßen und lag jetzt mit einer schweren Gehirnerschütterung im Lazarett bei Doctor Millow. Comstock, Techniker, Navigator. Frask war der einzige der noch an den gemeinsamen Besprechungen mit dem Kapitän teilgenommen hatte und eigentlich auf der Brücke seien sollte. Aber er musste ja vollkommen grundlos hier runter.

Das war der Moment als aus dem unguten Gefühl im Hinterkopf ein ungutes Gefühl in der Magengegend wurde.

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Comstock schlief, seit er im Krieg gegen Leonis fast von einem feindlichen Soldaten im Schlaf erdolcht wurde, immer mit seinem Revolver unter dem Kissen. Auch in einem auf Leonis gebauten Schiff änderte sich das nicht. “Der Feind ändert sich, aber der Kampf bleibt immer gleich” hatte sein Ausbilder ihm vor so unzählig langen Jahren immer gesagt. Er sollte recht behalten. Statt eines Zylonen war es der Steuermann Greg Simmons, der sich in seine Kabine schlich.

Obwohl Wilkes Comstock zu den Menschen gehörte, die auch auf einem Lautsprecherturm bei einem Rock-Konzert schlafen konnte, wussten seine Instinkte immer wenn sich etwas oder jemand näherte. Und in diesem Falle war es ein Steuermann, der ohne zu klopfen oder die Sprechanlage des Schiffs zu bemühen in seine Kabine kam. Comstock hielt die Augen zu kleinen Schlitzen zusammengepresst um die Reflektion des weißen in seinem Auge zu verringern und stellte sich weiter schlafend. Seine linke Hand die von seinem Körper verdeckt wurde bewegte er millimeterweise in Richtung Kopfkissen.

Simmons machte zwei Schritte in den Raum und Comstock schloss die Augen. An den Geräuschen schätzte er die Entfernung zwischen ihnen beiden ab und hoffte seine langsame Bewegung bliebe unbemerkt. Und natürliche sollte im Idealfall der Revolver in seiner Hand sein bevor Simmons die Gelegenheit bekam zu reagieren.

Das ganze Vorhaben scheiterte an zwei Dingen. Zum einen bemerkte Simmons die Bewegung von Comstock und war aufgrund der Legenden um ihn auf jede Art von Trick vorbereitet. Also stürmte Simmons ohne jede weitere Vorsicht mit zwei großen Sprüngen zu Comstocks Bett und hob den schweren Schraubenschlüssel mit einer weit ausholenden Handbewegung über seinen Kopf um Comstocks langer Legende ein Ende zu bereiten.

Zum anderen bohrte sich in diesem Moment ein Filetiermesser von hinten durch Simmons Schulterblatt und durchschnitt mit einem leichten Blutfilm bedeckt seine Uniform ein paar Zentimeter oberhalb seines Namensschildes.

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Der Schraubenschlüssel der für Comstocks Kopf gedacht war fiel polternd zu Boden. Mit einem kleinen Aufschrei als Simmons Nervenbahnen ihn über den Schmerz in seiner Brust informierten, ging auch er zu Boden. Comstock hatte inzwischen den Revolver unter seinem Kissen hervorgezogen und ihn auf den schwer atmenden Simmons gerichtet. “Was geht hier vor, Frask?”. Frask war einen Moment irritiert, keinerlei Aufregung oder Überraschung in Comstocks Stimme zu hören. “Ich glaube Lieutenant Stykes plant eine Meuterei. Er hat mich in den Lagerraum geschickt und als ich wieder hier hoch kam fiel mir auf, dass sich kaum noch Crewmitglieder in den Gängen und Gemeinschaftsräumen aufhielten. Und ich bezweifle auch, dass unser Navigator zufällig gestürzt ist, Sir.  Und insgesamt schien mir die Stimmung von Stykes und einigen seiner engeren Crewmitglieder in den letzten Tagen sehr gereizt und negativ”. Beim Reden bemerkte Frask das blutige Messer in seiner Hand und versuchte es sehr beiläufig irgendwo abzulegen, ließ es aber dann doch sein. Ein blutiges Messer in der Kabine des Kapitäns abzulegen wirkte sicher nicht wie etwas, das die Vorschriften so vorsahen. Oh Götter. Gibt es für  diesen Fall Vorschriften?

“Und dann haben sie unserem Koch ein Messer gestohlen und sind in meine Kabine gerannt um ihren Kollegen zu filetieren?” Comstock nahm Frask das Messer ab und wischte die Klinge an der Uniform des in der Ecke versunkenen und röchelnden Steuermanns Simmons ab und gab es Frask zurück. “Gute Arbeit, mein Junge”. Comstock drängte sich an Frask vorbei zum Ausgang der Kabine und rammte das Messer im Vorbeigehen an den Rahmen seiner holzvertäfelten Kabinentür.

Frask hatte sich seit dem Angriff auf Simmons noch nicht wirklich bewegt und starrte Comstock mit leicht zitternden Händen an. “Wir… Was… Wo wollen sie hin, Sir?”

“Mein Schiff zurückholen. Was den sonst, Frask?”

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Langsam schlichen die beiden Offiziere den Aufstieg zum nächsten Deck hoch. Überraschenderweise waren am Kommunikationsraum keine Wachen der Meuterer stationiert. Lediglich ein aufgerissenes Panel und einige lose Kabelende deuteten an, dass man zumindest den Bord-Funk sabotiert hatte bevor man dieses Deck sich selbst überließ. “Amateure” murmelte Comstock. “Sir?” flüsterte Frask von hinten zu ihm hoch. Comstock drehte sich um. “Sie haben niemandem auf diesem Deck. Das heißt, sie sind weit weniger als wir dachten. Simmons sollte mich wahrscheinlich umbringen oder aus dem Spiel nehmen und sie mit Waffen versorgen”. Comstock nahm den Schlüssel, den er an einer Kette um seinen Hals trug, unter seiner Uniform hervor und ging zum kleinen unscheinbaren Waffenschrank der sich in der Nähe der Offizierskabinen befand.

Eine der drei Schrotflinten in dem Schrank lud Comstock fachmännisch und reichte sie Frask. “Können sie damit umgehen?” “Grundausbildung, Sir” “Wird reichen”. Comstock ging ohne weiteren Kommentar den Aufgang zum Radarraum mit gezücktem Revolver hinauf. Von hier war es nur noch ein Deck bis zur Brücke. Überraschenderweise hielt niemand Wache an dem Nadelöhr, das dieser Aufgang darstellte. So schlichen die beiden weiter und nahmen im Schatten der Brücke geduckt Positionen ein.

“Wo bleibt Simmons?” brüllte Peter Stykes  auf der Brücke herum. Zwei weitere Mitverschwörer waren ihm geblieben. Nicht wirklich genug um ein Schiff wie die Proinos im Betrieb zu halten. Aber genug um sie irgendwo hin springen zu lassen und sicher genug um jede Menge Ärger für die restliche Crew zu machen. Comstock lugte einmal vorsichtig um die Ecke um sich einen Überblick  über die Brücke zu verschaffen. Vor dem Sichtfenster drehte sich der Sternenhimmel in einem leichten Winkel  nach rechts. Offenbar war eine Kursänderung bereits im Autopiloten vermerkt und brachte sie von ihrem eigentliche Kurs ab. Comstock fragte sich, ob die Viperpiloten an der Außenhülle schon misstrauisch waren und verzweifelt versuchten die Proinos über Funk zu erreichen oder ob sie noch in ihren ungemütlichen Räumlichkeiten schliefen. Andererseits, was konnten sie auch dort draußen tun, wenn die Gefahr hier drinnen lauerte?

Zwei Offiziere standen mit erhobenen Händen an der Steuerbordwand. Einer der Verschwörer, Funker Walt Kostas, hielt beide mit einem Rohr in Schach, dessen Ende an einer Werkbank sehr stümperhaft angespitzt wurde.

Fast schon gelangweilt und ohne Frask das korrekte militärische Handzeichen zu geben, ging Comstock aus seiner Deckung hervor, schoss Kostas in die rechte Hand und zielte auf den Kopf seines ersten Offiziers. Frask taumelte mit einigen Schwierigkeiten aus der Deckung hervor und hielt dem schreienden Kostas und dem letzten der Meuterer (einem Wartungstechniker dessen Namen er sich nie merken konnte) die Flinte gut sichtbar vor ihre Gesichter. “Nehmt jetzt die Hände hoch!” krächzte Frask mit fast überschlagender Stimme. “Sie auch” sagte Comstock zu seinem ersten Offizier, der weiterhin keine Mine verzog.

“Ach kommen sie Comstock. Ob sie mich erschießen oder die Toaster uns hier und jetzt wegpusten. Oder erst in einem Jahr. Oder ob sie warten und uns in 30 Jahren im Schlaf auslöschen. Wir gehen alle drauf! Und ich habe nicht vor, in dieser Arschkälte Vorschriften und Dienstpläne und Sprungprotokolle durch zu wälzen während meine Frau unsere Sohn großzieht. Ja, auch er wird irgendwann von diesen Toastern erledigt werden. Diesen Krieg können wir nicht gewinnen. Weil sie Maschinen sind und wir Menschen. Wir haben verloren, als diese Mistdinger von einem dämlichen Eierkopf ersonnen und gebaut wurden. An diesem Tag haben wir den Krieg verloren. Niemand, Comstock, niemand von uns hier wird das Ende dieses Krieges sehen.” Je lauter Stykes sich in seine Wutrede steigerte, desto mehr ließ Comstock den Revolver sinken. Er kannte den Weltraumkoller und die Kriegsparanoia die Stykes ergriffen hatte nur zu gut. Damals als sich noch Menschen gegenseitig aus dem Weltraum pusteten, hatte er selbst nah an dem Wahnsinn gestanden der nun seinen ersten Offizier im Griff hatte.

“Und was wollen sie nun tun? Ein Schiff der Flotte stehlen? Raumpirat werden? Meinen sie, sie können etwas besseres für ihren Sohn tun wenn sie als Verräter hingerichtet werden?” Comstock hatte den Revolver inzwischen auf den Boden gerichtet und versuchte Stykes klar zu machen, dass er bereit war ihm zu verzeihen und ihn zu beruhigen.

“Sie haben keine Ahnung. Sie sind verblendet von der Propaganda der Flotte. Sie wollen allen einreden wie sie zu leben haben. Sie meinen sie können uns sagen was wir zu denken haben. Aber das funktioniert nicht mehr. Wir müssen offen darüber reden, das die Zylonen nicht zu besiegen sind. Das wir unsere Zeit und Ressourcen verschwenden. Dass wir nicht endlos auf die Propaganda reinfallen dürfen. Das die Flottenadmiralität hier rauskommen und in der Kälte des Alls leben sollte, statt auf ihren Landsitzen in den Kolonien. Vielleicht sollten wir auch mal aufhören die Zylonen zu beschuldigen und uns den Wissenschaftlern zuwenden die diese Dinger verbrochen haben und die aufknüpfen. Wieso macht keiner jagd auf die? Wieso wird keine Flotte losgeschickt um diese Verbrecher zu jagen und vernichten? Ich finde das sollte man mal klipp und klar sagen.”

Comstock atmete einmal tief durch und schlug begleitet von einem müden Seufzen mit dem Griff des Revolvers gegen die Schläfe seines ersten Offiziers.

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Auszug aus: “Die Geschichte der zweiten Dämmerung” von Cecile Miller. Zweifache Gewinnerin des Caprica-Book-Award®.

“Dieser Tag hätte zu einem düsteren Kapitel der Proinos werden können. Der mutige Einsatz von Captain Frask und das besonnene Handeln von Major Comstock verhinderten ein großes Blutbad. Der Verrat an den eigenen Mitmenschen wiegt schwer. Aber niemand konnte ahnen, dass ihre dunkelsten Tage ihnen allen noch bevor standen.”

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Cecile Miller: “Die 4 Haupt-Meuterer wurden an Bord der Archeron standrechtlich erschossen und Major Comstock wurde wegen dieser und weiterer guter Dienste für die Flotte zum Kapitän der Colombia und in den Rang eines Lieutenant Colonel befördert. Dort leistete er Großes bis er in den letzten Stunden des Zylonenkrieges mit der Colombia unterging.”

Dr. Scarvo: “Ja. Comstock ist ein wahres Musterbeispiel für eine skurrile und dennoch sehr beeindruckende Militärkarriere. Kaum jemand konnte gleichzeitig so viel richtig machen und doch so viel Ärger mit seinen Vorgesetzten haben.”

Cecile Miller: “Brandon Frask wurde zum Kapitän der Proinos befördert und erbte neben dem Schiff noch den silbernen Revolver von Comstock. So lautet zumindest die Legende.“

Dr. Scarvo: “Der triste Alltag des Krieges fördert das Verlangen nach diesen Legenden und Mythen sehr. Die Leute wollen Helden und Halbgötter statt Menschen mit Fehlern in ihren Reihen wissen.”

Cecile Miller: “Frask selbst bekam diesen Mythos erst spät zuteil.”

Dr. Scarvo: “Ja. Seine Art war nicht so recht tauglich für Legenden. Er machte auf dem Papier den besseren Dienst nach Vorschrift, aber sein fehlender Charme konnte seine ruppige Art nicht ausgleichen. Als die Proinos dann noch von der Archeron in den Verband der Galactica versetzt wurde war mit Commander Peterson eine wichtige Kontaktperson für Frask weggebrochen. Diese Unsicherheit ohne Comstock und Peterson wirkte sich relativ schlecht aus seinen Umgang mit seiner Crew aus.”

Cecile Miller: “Aber am Ende wurde seine Legende und sein Mythos größer als der von Peterson und Comstock zusammen”.

Dr. Scarvo: “Wie es nun so ist können auch echte Menschen mit Fehlern manchmal große und heroische Taten vollbringen. Sie müssen nur die Gelegenheit dazu bekommen.”

//Aufzeichnung Ende.

von Marcel Schmittchen